Jahrestrainingsplan · U9–U13

Woche 42: Handlungsschnelligkeit trainieren

2 komplette Trainingseinheiten mit 8 Übungen – erstellt von lizenzierten Trainern. Öffne jede Übung mit einem Klick in der easy2coach Web-App.

Darum geht es diese Woche

Bei Ecken muss sich der Torhüter immer wieder entscheiden, ob er auf der Linie bleibt oder herauskommt. Entscheidet sich der Torwart für Letzteres, muss noch entschieden werden, ob der Ball gefangen oder weggefaustet wird. Der Außenverteidiger hat häufig die Wahl zwischen der mutigen Lösung nach vorne oder dem Auflösen der Situation über den Innenverteidiger. Der Stürmer muss immer wieder zwischen den Optionen Abschluss und Abspiel entscheiden.

Die Aufzählung von Situationen im Fußball, in welchen die Spieler Entscheidungen treffen müssen, könnte endlos fortgesetzt werden. Fußballer müssen sich im Spiel permanent entscheiden, welche Aktion die nächste sein wird. Dabei kommt es neben der Qualität auch darauf an, möglichst schnell eine Wahl zu treffen. Vermutlich würden die meisten davon ausgehen, dass es sinnvoll ist, besonders an der Qualität der Entscheidungen zu arbeiten. Jedoch ist das Verbessern der Entscheidungsschnelligkeit der effizientere Trainingsansatz.

Die meisten Entscheidungen im Spiel werden sowieso intuitiv getroffen. Die Spieler entwickeln also Einheit für Einheit ein immer besseres Gefühl dafür, welche Handlungen zu einem besseren Ergebnis führen. Außerdem ist keine Entscheidung bzw. eine, welche zu lange dauert, meist die schlechteste Option, da sich die Spielsituation bereits wieder verändert hat.

Deshalb wird es in dieser Woche darum gehen, möglichst schnell Entscheidungen zu treffen. Die Qualität der Entscheidungen wird nach und nach von selbst kommen.

Autor Luis Österlein

Trainingseinheit 1

4 Übungen

Im Profifußball kommt es häufig zu Situationen, in denen ein Spieler keine Zeit hat, eine Entscheidung zu treffen, nachdem dieser den Ball erhalten hat. Der Raum wird aufgrund des ballorientierten Verteidigens so eng, dass fast immer mehrere Gegenspieler in unmittelbarer Nähe sind. Diese setzen den ballbesitzenden Spieler sofort unter Druck, wodurch die Zeit fehlt, um Optionen zu suchen.

Deshalb muss das Spielgeschehen immer im Blick behalten werden. Besonders auf den zentralen Positionen, auf denen ein Spieler von jeder Seite Gegnerdruck erhalten kann, muss sich immer wieder orientiert werden. Kommt der Ball dann an, sollte die Entscheidung bereits getroffen sein und mutig umgesetzt werden.

Wurde die „falsche“ Entscheidung getroffen, kommt es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Ballverlust. Wobei es im Fußball meist selten zu Entscheidungen kommt, bei denen im Voraus gesagt werden könnte, dass die eindeutig richtige oder falsche Wahl getroffen wurde. Wurde jedoch keine oder eine zu späte Entscheidung getroffen, kommt es ebenfalls zu einem Ballverlust. Deshalb sollte sich schnell entschieden werden und die Aktion mutig umgesetzt werden.

Deshalb solltest du deinen Spielern mit auf dem Weg geben, dass sie nicht zögern sollen. Dabei dürfen sie selbstverständlich Fehler begehen. Dies hilft den Spielern ein Gefühl für Situationen zu entwickeln und Fehlerquote sinkt ganz von selbst. Vorausgesetzt die Spieler treffen aktiv Entscheidungen und lassen sich nicht durch zu langes Warten eine Handlung von einem Gegenspieler aufzwingen.

Coaching Points der Einheit
  • Vororientieren
  • Entscheidungen vor Erhalt des Balles treffen
  • Nicht zögern
  • Entscheidung mutig umsetzten
  • Sich Fehler zugestehen und diese als Möglichkeit zur Verbesserung sehen
Übung 1

Zuspiel zu viert

15 min12 x 15 Meter

Jede Vierergruppe hat einen Ball und arbeitet folgende Aufgaben ab:

  1. Aus dem Dribbeln einem Mitspieler zupassen, der das Zuspiel sicher mitnimmt und dann seinerseits abspielt.
  2. Jedes Zuspiel mit einer sichtbaren Änderung der Spielrichtung verarbeiten und über einige Meter das Tempo steigern.
  3. Jedes zweite Zuspiel direkt weiterleiten.
  4. Nur abspielen, wenn sich ein Mitspieler mit einem kurzen Antritt anbietet.
  5. Auf ein Signal des Trainers alle Aktionen in höchstem Tempo ablaufen lassen, bis der Trainer nach fünf bis 15 Sekunden ein zweites Signal gibt.
Material & Aufbau

Feld: Vier Hütchen markieren das Spielfeld.

Material: 4 Hütchen und je Gruppe ein Ball.

Spieler: Zwei Vierergruppen.

Coaching Points
  • Den Ball direkt in die Bewegung mitnehmen.
  • Ballverarbeitung und Pässe beidfüßig ausführen.
  • Kommandos einfordern.
  • Die Aktionen mit Ball in hohem Tempo durchführen.
Übung 2

Doppeltes Umschalten

20 minHalbes Spielfeld

Ein Durchgang besteht aus drei Bällen für den zentralen Spieler.

  1. Der Trainer hält eine Farbe hoch, ohne sie zu nennen, damit der zentrale Spieler sie nicht mitbekommt, und eröffnet die Übung mit einem Pass zum zentralen Spieler. Gleichzeitig besetzen die Spieler, deren Farbe nicht gewählt wurde, die Minitore. Der zentrale Spieler dreht sich, nimmt den Ball an und versucht, in das freie Tor zu passen.
  2. Anschließend folgt der zweite Ball vom Trainer in Richtung des zentralen Spielers. Dieser spielt mit zwei Kontakten sofort den Stürmer in den Raum an, der direkt abschließt.
  3. Nach dem Abschluss durch den Stürmer erhält der zentrale Spieler einen dritten Ball, mit dem er selbst abschließt.
Material & Aufbau

Feld: Am Mittelkreis stehen drei Minitore nebeneinander, neben jedem liegt ein Hütchen in einer eigenen Farbe. Zwei weitere Hütchen markieren die Positionen des Stürmerpaares vor dem Strafraum. Am anderen Ende steht das Großfeldtor.

Material: 1 Großfeldtor, 3 Minitore, Hütchen in verschiedenen Farben und mehrere Bälle.

Spieler: Zwei Spieler bilden ein Stürmerpaar, ein Spieler steht als zentrale Anspielstation mit Blick in Richtung Torhüter, drei Spieler stehen neben den Minitoren. Dazu ein Torhüter und der Trainer mit den Bällen.

Coaching Points
  • Sich vororientieren.
  • In offener Stellung agieren.
  • Auf die Passschärfe achten.
  • Den Stürmer in den Vorderfuß oder in den Lauf anspielen.
  • Mit wenigen Kontakten agieren.
  • Die Aktionen im höchsten Tempo durchführen.
Übung 3

Torabschluss in Überzahl

25 min
  • Die grüne Mannschaft startet im 2 gegen 1 und versucht, so schnell wie möglich zum Torabschluss zu kommen.
  • Nach jedem Torabschluss — ob getroffen oder nicht — kommen ein weiterer Offensivspieler mit neuem Ball und ein weiterer Defensivspieler aufs Feld, sodass nach und nach 3 gegen 2, 4 gegen 3, 5 gegen 4 und schließlich 6 gegen 5 gespielt wird.
  • Erobert die rote Mannschaft den Ball oder hält der Torhüter, wird auf das gegenüberliegende Tor gekontert.
  • Sobald alle Spieler auf dem Feld sind, wird fünf Minuten frei gespielt. Danach beginnt ein neuer Durchgang im 2 gegen 1.
Material & Aufbau

Feld: Sechs Hütchen markieren das Spielfeld; an den Enden stehen zwei Tore.

Material: 2 Tore, 6 Hütchen und mindestens 5 Bälle.

Spieler: Eine offensive Mannschaft in Grün und eine defensive in Rot sowie zwei Torhüter.

Coaching Points
  • Die Überzahl ausnutzen, um das Spiel breit zu machen.
  • Viele Situationen im 1 gegen 1 einfordern.
Übung 4

3 gegen 3 im abgesteckten Feld

25 min32 x 32 Meter
  • Die beiden Mannschaften spielen 3 gegen 3 mit Torhütern.
  • Ziel ist es, in zwei Minuten möglichst viele Tore zu erzielen.
  • Danach werden die Feldspieler gewechselt.
Material & Aufbau

Feld: Hütchen markieren das Spielfeld; an den Enden stehen zwei Tore.

Material: 2 Tore, Hütchen und mehrere Bälle.

Spieler: Zwei Mannschaften zu je drei Feldspielern; dazu zwei Torhüter.

Coaching Points
  • Die Spielfeldgröße nutzen, um das Spiel breit zu machen.
  • Den Gegner laufen lassen.
  • Schnell zum Abschluss kommen.
Die komplette Einheit als fertiger Trainingsplan – mit animierten Übungen in der Web-App. Zur Web-App

Trainingseinheit 2

4 Übungen

In der 1. Trainingseinheit dieser Woche wurde bereits erwähnt, dass für die Handlungsschnelligkeit, die Wahrnehmung des Spielgeschehens eine wesentliche Rolle spielt. Besonders dann, wenn der Ball mit der Handlung näher an das gegnerische Tor gebracht werden soll. Dafür darf ein Spieler jedoch nicht permanent mit dem Rücken zum gegnerischen Tor agieren, da sonst Zeit verloren geht bzw. das Spiel nach vorne gar nicht möglich ist.

Wird ein geschlossen stehender Sechser beispielsweise von einem Innenverteidiger angespielt, fehlt dem defensiven Mittelfeldspieler die Information, ob er aufdrehen kann. Dabei kann der Innenverteidiger dem Sechser zwar das Kommando „dreh auf“ oder „klatsch“ mitgeben, jedoch ersetzt dies die Vororientierung und ein Agieren in einer offenen Stellung nicht ausreichend.

Scannt ein Spieler nämlich das Spiel in der Tiefe, weiß dieser nicht nur, ob er aufdrehen kann, sondern kann bereits potenzielle Anschlussaktionen ins Auge fassen.

Sucht der Sechser auch ohne Ball immer wieder den Blick in die Tiefe und stellt dabei fest, dass dieser keinen Gegenspieler im Rücken hat, kann dieser noch in eine offene Stellung wechseln. Dadurch kann der Sechser leichter die Optionen in der Tiefe im Auge behalten. Außerdem verliert der Sechser keine Zeit durch ein Aufdrehen. Dies wäre der Fall, wenn der defensive Mittelfeldspieler geschlossen agieren würde. In der offenen Stellung kann der Sechser dann sofort in den Vorderfuß angespielt werden, den Ball nach vorne mitnehmen und zügig eine Anschlussaktion umsetzen.

Coaching Points der Einheit
  • Immer wieder den Blick in die Tiefe suchen
  • In einer offenen Stellung agieren
Übung 1

6er Gitter im Quadrat

15 min

Die Spieler spielen sich den Ball nach folgenden Vorgaben zu:

  1. Einfaches Zusammenspiel mit Klatschball, dabei Dreiecke bilden und Raum schaffen.
  2. Es wird immer ein ballferner Spieler mit einem öffnenden Ball angespielt. Dieser lässt auf den zweiten Spieler im Zentrum klatschen, der den Ball wieder nach außen spielt.
  3. Es wird immer der ballnahe Spieler angespielt; dieser dreht auf.
  4. Freie Kombination aller Varianten.
Material & Aufbau

Feld: Vier Hütchen markieren die Ecken eines Rechtecks, zwei weitere stehen nebeneinander im Zentrum.

Material: 6 Hütchen und mehrere Bälle.

Spieler: An jedem Hütchen steht ein Spieler, also vier außen und zwei im Zentrum.

Coaching Points
  • Auf die Passschärfe achten.
  • Kommandos einfordern.
  • Den Ball mit dem gegnerfernen Fuß klatschen lassen.
  • Zügig die nächste Anspielstation suchen.
  • Bei der freien Kombination auf schnelle Entscheidungen achten.
Übung 2

Reaktion und Schnelligkeit

20 min

Übung 1

  • Zwei Spieler laufen von den Pylonen aus Richtung Mittellinie beziehungsweise Hütchenlinie.
  • Spieler 1 versucht, entweder links oder rechts zuerst am Ball zu sein, um abzuschließen; dabei wechselt er mindestens ein- bis zweimal schnell die Richtung.
  • Spieler 2 versucht, dieselbe Bewegung mitzumachen und eher am Ball zu sein.

Übung 2

  • Wie Übung 1, jedoch berührt Spieler 1 die Pylonen in wechselnder Reihenfolge, und Spieler 2 macht es ihm gleich.
Material & Aufbau

Feld: Zwei rote und zwei gelbe Pylonen als Startpunkte, etwa acht bis zehn gelbe und vier rote Hütchen als Ball- und Mittellinie sowie zwei Minitore.

Material: 4 Pylonen, etwa 14 Hütchen und 2 Minitore.

Spieler: Es werden Paare gebildet.

Coaching Points
  • Der Stürmer soll den Verteidiger mit einer Körpertäuschung ausspielen.
Übung 3

Timing und Handlungsschnelligkeit

25 minVom Strafraum bis zur Mittellinie
  • Zwei angreifende Spieler starten aus dem Mittelfeld mit dem Ziel, einen Treffer auf dem Minitor an der Strafraumlinie zu erzielen.
  • Auf Kommando des Trainers startet ein Verteidiger der aufgerufenen Farbe.
  • Je nach Altersklasse wird mit oder ohne Abseits gespielt.
  • Erobert der Verteidiger den Ball, kann er sofort einen tiefen Pass in das Tor an der Mittellinie spielen und damit zwei Punkte für seine Gruppe erzielen; die Angreifer erhalten für ein Tor einen Punkt.
  • Nach jedem Durchgang stellen sich alle Beteiligten wieder hinter ihren Gruppen an.
  • Wer zuerst zehn Tore erzielt, gewinnt; anschließend wechseln die Gruppen zwischen Angriff und Verteidigung.
Material & Aufbau

Feld: Hütchen markieren die Mittellinie und die Strafraumgrenze; dazu zwei Minitore — eines auf der Strafraumlinie, eines auf der Mittellinie.

Material: 2 Minitore, Hütchen und mehrere Bälle.

Spieler: Die verteidigenden Spieler werden in zwei Gruppen in zwei Farben aufgeteilt und neben dem einen Minitor postiert; die angreifenden Spieler werden in zwei nummerierte Gruppen aufgeteilt und neben dem zweiten Minitor postiert.

Coaching Points
  • Die Überzahl ausspielen.
  • Der Verteidiger versucht, einen Angreifer in ein 1 gegen 1 zu isolieren.
  • Angriffe zügig zu Ende spielen.
  • Auf die Handlung des Verteidigers reagieren: selbst abschließen oder abspielen.
  • Den Mitspieler möglichst in den Lauf oder in den Vorderfuß anspielen.
Übung 4

4 vs 4 mit Anspieler in die Tiefe

25 minDoppelter Strafraum
  • Im Spielfeld wird 4 gegen 4 gespielt.
  • Jede Mannschaft hat neben dem eigenen Tor zwei Anspieler.
  • Wird einer der Wandspieler angespielt, dribbelt er ins Feld, und der Passgeber nimmt seine Position ein.
Material & Aufbau

Feld: Hütchen markieren das Spielfeld; an den Enden stehen zwei Tore.

Material: 2 Tore, Hütchen und ausreichend Bälle an den Seiten.

Spieler: Zwei Viererteams, je zwei Anspieler neben dem eigenen Tor sowie zwei Torhüter.

Coaching Points
  • Passwege in die Tiefe durch Freilaufverhalten freiziehen.
  • Die tiefen Spieler bewegen sich aktiv auf der Grundlinie, um sich aus dem Deckungsschatten zu lösen.
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